Tag 4: Geheimtipps in Stone Town mit Stadtführer Farid Hamid

Bei unserer Ankunft in Zanzibar holte uns der Bruder unseres Airbnb Gastgebers am Flughafen ab und nach kurzer Fahrt erreichten wir Stone Town. Hier waren wir mit dem Historiker Farid Hamid verabredet, der uns eine Führung durch den historischen Kern Zanzibars geben sollte. Zunächst gingen wir aber gemütlich bei Lukmaan zum Essen. Lukmaan bietet echte zanzibarische Küche zu günstigen Preisen. Da wir nicht recht wussten, was die Speisen in den Auslagen waren, kam uns Mahmoud zu Hilfe. Solltet ihr im Lukmaan essen gehen, fragt am besten gleich, ob Mahmoud da ist und lasst euch von ihm das Menü kurz erklären. Er ging mit uns alle Töpfe durch und beschrieb kurz das jeweilige Gericht. Empfehlenswert sind auch die frischen Smoothies, welche aus den täglich wechselnden Früchten in der Auslage zusammengestellt werden können. Wir hatten uns für vegetarisches Curry, Shrimp Curry, zwei unterschiedliche Arten Gewürzreis, Fladenbrot, grüne Kuhwiese (das war zumindest der Geschmack der grünen Blätter, welche wir unbedingt testen wollten) und zwei Smoothies für unter CHF 10 entschieden. Die Dachterrasse bietet ausserdem eine schöne Sicht auf das geschäftige Treiben in der darunterliegenden Gasse im Schatten eines Baobab-Baumes.

Gestärkt ging es weiter zum House of Wonders, wo wir uns mit Farid Hamid treffen wollten. Weit und breit war aber kein Farid zu sehen. Nachdem wir einige Zeit auf und ab gelaufen waren, kam uns ein anderer Tourguide entgegen und fragte, ob wir eine Tour benötigten. Wir teilten ihm mit, dass wir bereits bei Farid gebucht hätten und er rief begeistert aus, dass Farid sein Lehrer sei und er ihn schnell anrufen würde. Später merkten wir, dass Farid ziemlich jeden in Stone Town kennt, als es während der Tour ständig Handshakes und Umarmungen gab und Farid fleissig Einladungen für seine anstehende Party verteilte, deren Erlös in seine Stiftung fliessen sollte. Nach einem kurzen Telefonat stellte sich heraus, dass unser Führer zwei Touren durcheinandergebracht hatte und wenig später erschien er am vereinbarten Treffpunkt. Er wirkte auf uns wie eine charmante Mischung aus Omar Sharif und einem verwirrten Professor und er kannte jedes Detail aus der Geschichte Zanzibars.

Wir lernten beispielsweise, dass Zanzibar bereits vor New York und London elektrische Strassenbeleuchtung hatte und dass das House of Wonders so heisst, da es dort Wasser, Strom und einen Aufzug gab, was zur Zeit seiner Erbauung eine Sensation gewesen war.

Besonders interessant war die Bedeutung der Tücher (Khanga), die Frauen tragen und welche eine Botschaft vermitteln. Früher war die Verschleierung bunt, durch den arabischen Einfluss wurde sie schwarz. Jede Farbe und jedes Muster hat dabei eine eigene Bedeutung. So stellt blau die Farbe für Betrug dar, wohingegen schwarz ursprünglich Freiheit und später Vertrauen bedeutete. Auch wie das Tuch gebunden ist, gibt Informationen über seine Trägerin preis. Diese Art der Kommunikation erinnert an bayrische Trachten, wo die Schleife rechts bzw. links am Dirndl anzeigt, ob die Dame vergeben oder noch zu haben ist.

Farid zeigte uns während der Stadtführung mehrere interessante Snacks, welche wir probieren durften:

  • Kashata (Kokos mit Zucker)
  • Frische Kartoffelchips mit scharfer Chilisauce
  • Baobab Candy mit roter Farbe und Zucker
  • Schmalzgebäck bei Jaws Corner, der Ort an dem sich die Männer Zanzibars auf einen Kaffee mit Ingwer zum Gespräch und Brettspiel treffen und der so heisst, weil nach dem Film „Der weisse Hai“ („Jaws“ im Original), der von allen Seiten am weitesten vom Meer entfernte Platz Stone Towns zum Treffpunkt erklärt wurde.

Ein Hauptbestandteil der Führung waren die speziellen Türen in Zanzibar, die einen Sonderstatus einnehmen. Hier verschmelzen die Einflüsse der ehemals regierenden Herrscher, d.h. Perser, Araber, Briten, Portugiesen und Inder, in der Verzierung der Türen. Rechteckige Türen sind swahilisch, wohingegen ein Bogen über der Türe den arabischen Einfluss markiert. Die Anzahl Blüten am oberen Türrahmen symbolisieren die Anzahl der Bewohner im entsprechenden Haus. Sogar das Freddie Mercury House hat eine Tür im typischen Zanzibarstil.

Farid erklärte uns, dass die Einwohner Zanzibars sehr tolerant bezüglich unterschiedlicher Kulturen sind und sich dies auch darin zeigt, dass die Gotteshäuser verschiedener Religionen direkt nebeneinander liegen, was sogar in einer eigenen Briefmarke festgehalten wurde. Inzwischen sei dem nicht mehr so, aber früher habe man beim Beten in der Moschee die Kirchenglocken läuten und in der Kirche den Gesang aus der Moschee und dem Hindutempel daneben gehört. Eben dieses Miteinander der Religionen sei im Sinne des Sultans gewesen, welcher die Gotteshäuser nebeneinander bauen liess.

Zum Abschluss zeigte uns Farid noch den besten Aussichtspunkt der Stadt auf der Terrasse des Tea House im Emerald Spice Hotel (Tea House).

So endete ein gelungener und lehrreicher Tag in Stone Town, den wir mit einem Smoothie im Lukmaan ausklingen liessen.

Da in Zanzibar die Einflüsse der ehemaligen Herrscher auch geschmacklich verschmelzen und die Küche Zanzibars von Einflüssen aus Oman, Iran und Indien lebt, bot uns die Woche auf der Gewürzinsel einen Vorgeschmack dessen, was uns auf der weiteren Reise noch erwartet und liess die Vorfreude auf die kommenden Monate steigen.

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