Tag 20: Chaos, Hitze, Pyramiden – Eine Stippvisite bei den Pharaonen

Bereits bei unserer Ankunft am Flughafen Kairo erahnten wir, was uns am folgenden Tag erwarten sollte. Da unser Round the World Ticket ab Kairo startete, mussten wir einen Zwischenstopp in Kairo unweigerlich einplanen und wenn wir schon mal vor Ort waren, so wollten wir uns die Pyramiden natürlich nicht entgehen lassen. Nach Verlassen des Flughafengebäudes schlug uns auch am späten Abend noch eine Hitzewand entgegen und zig Taxifahrer stürzten sich auf uns als wir uns auf die Suche nach unserem gebuchten Fahrer machen, den wir schnell ausfindig machen konnten. Genialerweise verläuft zwischen Flughafenausgang und Abholbereich noch eine Strasse, wobei der Abholbereich von einem Gitter umrahmt ist, so dass wir zwischen Gitter und Strasse ein Stück laufen mussten, um zu unserem Fahrer zu gelangen. Sicher ist anders. Schliesslich hatten wir es geschafft uns durch die Menschenmasse zu unserem Fahrer durchzukämpfen und befanden uns auf dem Weg nach Gizeh, wo sich unser Hostel und die Pyramiden befinden. Auf dem Weg Stau, Stau, Stau. Das konnte bei der Fahrt zum Flughafen am nächsten Tag ja lustig werden. Als wir uns Gizeh näherten, sahen wir bereits die Absperrungen der Polizei um das Touristengebiet abzuschirmen. Als wir im Great Pyramide Inn ankamen, gab es erstmal eine kleine Verkaufsveranstaltung für Touren ehe wir todmüde ins Bett fallen konnten.

Am nächsten Morgen beim Frühstück genossen wir das grösste Verkaufsargument unseres Hostels. Dieses befindet sich nämlich direkt neben den Pyramiden und hat die höchste Dachterrasse aller umliegenden Unterkünfte, so dass wir beim Frühstücken einen Panoramablick über die drei grossen Pyramiden und die Sphinx geniessen durften. Danach sollte es bei brütender Hitze weiter zu den Pyramiden gehen. Wir hatten schon gehört, dass die Verkäufer aufdringlich sein können, aber so schlimm hatten wir es uns nicht vorgestellt. Ohne Unterbruch biederten sich Souvenirverkäufer, Tourguides, Fahrer, und so weiter und so fort bei uns an, um ihre Waren an den Mann zu bringen. Irgendwann hatten wir uns zum Eingang der Pyramiden durchgeschlagen und zahlten den Eintritt, der mit Studentenausweis nur die Hälfte beträgt. Man merkte, dass der Terrorismus in Ägypten Spuren hinterlassen hatte und die Nebensaison bei unerträglichen 43 Grad ein Übriges dazu betrug, denn so verlassen hatte man die Pyramiden sicher selten gesehen. Wir machten den Fehler uns für einen Transport mit einem Pferdewagen zu entscheiden. Fehler, weil unser Fahrer erstens faul war und versuchte, so wenig wie möglich in der vereinbarten Stunde zu fahren, und zweitens scheinbar auch taub, denn er machte immer genau das Gegenteil von dem, was wir wollten. Zudem sahen bei einem genaueren Blick die Pferde nicht wirklich gut behandelt aus, was uns immer sauer aufstösst.

Eigentlich wollten wir zum Aussichtspunkt mit allen Pyramiden, unser Fahrer wusste es aber besser und lud uns bei einem aufdringlichen Typen ab, der ums Verrecken nicht kapierte, dass wir keine Kameltour zu den Nine Pyramids wollten. Als wir schliesslich einwilligten ein Foto auf seinem Kamel zu machen, damit er Ruhe gab, setzte sich dieses in Bewegung, da er scheinbar etwas falsch verstanden hatte. Irgendwann schafften wir es, die Farce abzubrechen, da wurde er frech und verlangte ein ordentliches Trinkgeld für seine „tollen“ Dienste. Wir gaben ihm einen Bruchteil seiner Forderungen und sahen unter wüsten Beschimpfungen zu, dass wir Land gewannen. Als wir nach einer Stunde unsere Pferdekutsche verliessen, um zu Fuss weiter zu ziehen, wurde auch unser unfähiger Fahrer frech und verlangte nach Trinkgeld. Wir erklärten ihm, dass ein Trinkgeld nur bei entsprechender Leistung gezahlt wird und er zog von dannen.

Die Hitze brennt immer mehr und wir entschliessen uns, die grosse Cheopspyramide von innen zu besuchen. Irgendwo muss es ja kühler sein. Nach einer Odyssee, um das Kassenhäuschen zu finden, betreten wir mit unseren Tickets schliesslich die Pyramide.  Kühl ist es aber auch hier nicht, im Gegenteil, die Hitze staut sich geradezu. Fast auf allen Vieren kriechend erkunden wir die Gänge und sind froh, das mal erlebt zu haben, aber auch, dass wir wieder aus der Pyramide raus sind. Nach dem Hitzeschock gehen wir schnell in den nächsten KFC, da dieser eine gute Klimaanlage hat und kaufen uns zum Sensationspreis von unter 1 CHF eine 1.5 Liter Flasche Pepsi. Solche Preise wären in Europa auch mal schön.

Da wir nur einen Tag Zeit haben, vereinbaren wir mit unserem Hostel, dass wir samt Gepäck zum Flughafen gefahren werden und auf dem Weg dorthin einen Stopp am Ägyptischen Museum einlegen. Unser Fahrer Ali ist der Hammer. Eigentlich dachten wir, er sei nur unser Fahrer, er stellt sich aber als mehr als das heraus. Ali hat früher in Sharm el Sheik als Tourguide gearbeitet, bevor der Tourismus zusammen gebrochen ist. Seither ist er als Fahrer in Kairo tätig. Nicht nur, dass er uns sicher und schnell zum Museum und Flughafen bringt, nein, Ali zeigt uns unterwegs Sehenswürdigkeiten und erklärt uns etwas dazu, er stoppt, wenn wir ein Photo machen wollen, ist witzig und gleichzeitig nicht aufdringlich. Nach den bisherigen Erfahrungen in Kairo eine tolle Ausnahme. Wenn ihr in Kairo seid und Alis Kontaktdaten wollt, meldet auch bei uns.

Unser Stopp im ägyptischen Museum ist sein Geld wert. Auch wenn Olaf und ich keine  grossen Museumsfans sind, das ägyptische Museum ist sehr faszinierend. Neben Sarkophagen, Skarabäen und dem sagenhaften Tut-ench-Ammun Raum ist auch die Mumienkammer gegen einen Aufpreis zu empfehlen.

Selbst zum Flughafen gibt es hier einiges zu erzählen. Zunächst wurde unser Ticket nicht anerkannt, da das Round the World Ticket „suspended“ wurde, wie uns der Agent am Schalte mitteilte. Wir wurden also ins Büro von Royal Jordanien gebeten und die Telefoniererei mit unserem Reisebüro RTW Experts, dass wir kein zweites Mal bemühen würden startete. Kurz vor Boarding unseres Fluges und CHF 90 Roaminggebühren später, da man sich in Kairo weigerte das Telefon benutzen zu dürfen bzw die Nummer für einen Rückruf rauszurücken, hatten wir es geschafft, das Ticket zum Laufen zu bekommen. Was für ein Nervenkrieg. Danach gingen wir durch die Siko, wobei Laptop, Flüssigkeiten und Piepsen beim Marschieren durch den Scanner, hier keinen interessieren. Dafür gibt’s noch einem eine Siko, wenn man aus der vergammelten Lounge, in welcher es noch nicht mal Gläser gibt, kommt, wobei auch hier wieder keiner interessiert ist, wenn man Flüssigkeiten dabei hat. Erschöpft haben wir uns in der Business Class von Royal Jordanien niedergelassen, um den Dreamliner auf der 1.5 stündigen Strecke nach Amman zu geniessen.