Medellín – Besuch in der einst gefährlichsten Stadt der Welt

Tag 31 unserer Weltreise: Kolumbien

Medellín hat eine aufgewühlte Vergangenheit hinter sich. Durch die langjährige Herrschaft des Drogenbarons Pablo Escobar und den herrschenden Bürgerkrieg, galt sie Langezeit als gefährlichste Stadt der Welt. Auch heute noch muss man in gewissen Gegenden erhöhte Vorsicht walten lassen. Hier können wir uns wieder gut an den Satz aus unserem ersten B&B in Kolumbien erinnern: «Don’t give them papayas».

Walking Tour durch Medellín

Um besser und auch sicherer in die Vergangenheit und Gegenwart Medellíns eintauchen zu können, hatten wir uns für eine geführte Tour von Real City Tours entschieden. Wie schon in Bogotá wurde auch diese Tour kostenlos angeboten, wobei man bei Gefallen üblicherweise ein entsprechendes Trinkgeld gibt.

Für die Tour haben wir uns zunächst ein sehr günstiges Ticket für die Metro besorgt, das auch den ganzen Tag für die Hochseilbahnen gültig war. Wir machten uns von unserer Unterkunft dem Cocobamboo Hotel auf den Weg in die Metrostation, wo wir unsere Tour-Gruppe treffen sollten. Medellín besitzt die einzige Hochbahn in Kolumbien. Später sollten wir auch noch mit den Hochseilbahnen fahren, die mit dafür verantwortlich sind, dass die Kriminalitätsrate in Medellín stark gesenkt werden konnte.

Ferrocarril de Antioquia

Zunächst ging es für einen kurzen Abstecher zum Eisenbahnmuseum. Es stellt die historische Antioquia Bahn aus. Seit der Eröffnung 1929 bis zum Verkauf 1961 trug die Bahn wesentlich zur Anbindung der Region an andere Landesteile bei.

Alpujarra Administrative Center

Unser zweiter Stopp war das Alpujarra Administrative Center. Hier ist insbesondere das Kunstwerk «Monument to the Race» erwähnenswert, das die Geschichte von Antioquia darstellt.

Monument to the Race
Monument to the Race

Square of Lights

Gleich gegenüber haben wir den Square of Lights besucht. Das Kunstprojekt von Juan Manuel Pelaez besteht aus vielen Licht-Röhren, welche in der Nacht eingeschaltet werden. Zu Zeiten Pablo Escobars hätte sich kein Tourist in die Nähe des damals genannten Plaza Cisneros gewagt. Ein Gebäude auf dem Platz, das heute das Kultusministerium beherbergt, hatte der Drogenboss sein Hauptquartier. Auch heute noch gilt der Platz besonders nach Einbruch der Dunkelheit als gefährliches Pflaster.

Square of Lights
Square of Lights

Palacio Nacional

Über die Carabobo Fussgängerstrasse ging es danach Richtung Palacio Nacional. Das aus architektonischer Sicht interessante Gebäude, welches 1925 erbaut wurde, war einst das Justizministerium. Heute beheimatet es ein grosses Einkaufszentrum. Ein besonderes Erlebnis hatten wir als wir von einem Geschäft Fotos machen wollten. Erst dachten wir, der Besitzer wäre nicht einverstanden. Er wollte aber bloss passende Kleidung aus seinem Laden tragen, bevor wir ein Foto von ihm machen konnten.

Avenida Carabobo

In der Fussgängerstrasse boten einige Händler ihre Waren an. Da wir etwas durstig und hungrig waren, besorgten wir uns einen Hibiskustee, Zuckerrohrsaft mit Limette und am nahe gelegenen Imbiss Empanadas. Ein günstiger und leckerer Zwischensnack.

Parroquia de la Veracruz

Pedro Nel war ein kolumbianischer Künstler, der für seine bemalten Mauern bekannt wurde. An seinen Mauern vorbei, gingen wir weiter Richtung Parroquia de la Veracruz, einer weissen Kirche im Kolonialstil.

Parroquia de la Veracruz
Parroquia de la Veracruz

Plaza Botero

Eines der Highlights der Tour war der Plaza Botero. In einer Art Freilichtmuseum stehen 23 Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. Seine Bronzeskulpturen haben als unverkennbares Merkmal die überzeichneten Proportionen bei Menschen und Tieren. Man erhofft sich scheinbar Glück, wenn man bestimmte Stellen der Skulpturen reibt, wie die hellen Stellen der Statuen zeigen. Nichtsdestotrotz bieten sie ein tolles Fotomotiv.

Botero
Wir auf dem Plaza Botero

Palacio de la Cultura

Gleich neben dem Plaza Botero befindet sich der Palacio de la Cultura. Während die Vorderseite des Palastes filigran ausgeschmückt ist, besticht die Hinterseite durch eine gewisse Schlichtheit. Uns wurde während der Führung erklärt, dass das Gebäude in mehreren Phasen gebaut wurde, da immer wieder das Geld knapp wurde. Während in der ersten Entwicklungsphase internationale Architekten beteiligt waren, wurde das Gebäude schliesslich von Einheimischen fertig gestellt. Das wurde dann auch als Erklärung genannte, wieso der Bau nicht mehr ganz so eindrucksvoll verziert fertig gestellt wurde.

Palacio de la Cultura
Vorne hui
Palacio de la Cultura
Hinten geht so

Basilica of our Lady of Candelaria

Weiter gingen wie zur Basilica of our Lady of Candelaria gleich neben dem Berrio Park.

Parque Berrio
Parque Berrio

Das Auffälligste an der Kirche waren die Verkaufsstände in unmittelbarer Nähe. Dort wurden nicht bloss T-Shirts vom Papst, sondern am gleichen Stand auch Pornohefte und -filme feilgeboten. Eine Kombination, welche man so, insbesondere wenn man den Standort bedenkt, so wohl selten zu Gesicht bekommt.

Basilica of our Lady of Candelaria
Basilica of our Lady of Candelaria
Filmverkauf
Ungewöhnlicher Verkauf neben der Kirche

Parque Bolívar

Wie in allen kolumbianischen Städten gab es auch in Medellín einen Parque Bolívar.  Er war ein südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer und ist damit bis heute Nationalheld vieler südamerikanischer Länder. Im Park konnten wir eine Reiterstatue von ihm besichtigen. Ansonsten wurde uns gesagt, dass man nach Einbruch der Dunkelheit auch den Parque Bolívar besser meiden sollte.

Simon Bolivar
Parque Bolívar
Waage
Hier kann man sich für Kleingeld wiegen

Parque San Antonio

Als letzte Station besuchten wir den Parque San Antonio. Wie so oft wurde wieder von einem Besuch nach Anbruch der Dunkelheit abgeraten. Hier lauschten wir der schockierensten Geschichte unserer Tour. Der Park besitzt eine Skulptur von Botero «El pájaro» – der Vogel. 1995, zwei Jahre nachdem Pablo Escobar in seinem Versteck erschossen wurde, versteckte die Guerilla-Truppe Farc eine Bombe in der Skulptur. Als sie bei einem Musikfestival explodierte, tötete sie 23 Menschen und verletzte fast 200 weitere. Botero weigerte sich nach dem Anschlag, die zerstörte Figur wegzuräumen. Sie sollte als Mahnmal stehen bleiben. Stattdessen stiftete er eine zweite noch grössere Skulptur «El pájaro de la paz» – der Friedensvogel.

El Pajero
El Pájero mit El Pájero de la Paz
El Pajero

Repostería Astor

Nach dem Abschluss unserer Tour stärkten wir uns in der Repostería Astor mit Kaffee und Kuchen. Ganz so politisch ging es in dieser auch preislich europäisch anmutenden Café-Kette nicht zu, wie unser Foto zeigt. Geschmeckt hat es trotzdem.

Comuna 13

Mit neuen Kräften machten wir uns auf, die Comuna 13 zu besuchen. Das Viertel, das vor allem durch die Drogenherrschaft Escobars in Verruf gekommen ist, hat sich seitdem stark gewandelt. Durch die Anbindung der ärmeren Gebiete Medellíns mit der auch für Einheimische sehr günstigen Hochseilbahn, wurden neue wirtschaftliche Möglichkeiten geschaffen. Früher war eine Anreise in das Zentrum Medellíns äusserst beschwerlich. Durch die Hochseilbahn können auch die Bewohner der Aussenbezirke einfacher zu Arbeitsstellen, sozialen Einrichtungen und Geschäften gelangen.

Hochseilbahn
Wir vor der neuen Hochseilbahn

Im Gegensatz zu vielen reicheren Ländern, in denen man oft verschmutzte oder mit Graffiti beschmierte, öffentliche Verkehrsmittel hat, ist die Hochseilbahn blitzblank. Alle sind stolz darauf und froh darüber, sich einfach und günstig fortbewegen zu können.

Hochseilbahn

Obwohl die Comuna 13 sich seit den Zeiten Escobars verändert hat, wollten wir ohne eine geführte Tour nicht zu grosse Erkundungen anstellen. Daher hat sich unser Ausflug auf einen kleinen Bummel beschränkt.

Bandeja Paisa

Da mittlerweile Zeit für das Abendessen war, fuhren wir zurück in das Zentrum von Medellín. In einer Filiale der Kette Hacienda haben wir ein typisch kolumbianisches Bandeja Paisa Chicharrón gegessen. Eine traditionelle Platte besteht aus Bohnen, Reis, gegrilltem Schweinebauch, Arepa, Wurst, Eiern, Banane und Avocado.

Bandeja Paisa
Bandeja Paisa

Fazit

Bemerkenswert ist noch, wie oft wir auf der Strasse angesprochen wurden, dass man so froh ist, Touristen im Land zu sehen. Man solle doch allen mitteilen, wie sicher Kolumbien mittlerweile ist. Einen derart herzlichen Empfang wie in Kolumbien, speziell in Medellín haben wir auf der ganzen Weltreise bloss noch im Iran ähnlich erlebt.

Am nächsten Tag sollte es mit dem Bus weiter ins Anbaugebiet des Kaffees nach Salento gehen.

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